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Ein Knall, den wir uns schönreden


Ich gebe offen zu:

Ich kann es nicht verstehen.

Ich kann nicht verstehen, wie Menschen, die selbst Tiere halten, an Silvester Raketen zünden. Wie Jäger, die den Schutz von Wild und Natur hochhalten, Explosionen in die Nacht schicken, obwohl sie genau wissen, was das für Rehe, Vögel oder Füchse bedeutet. Angst, panische Flucht, unnötiger Stress – mitten im Winter, wenn die Energiereserven ohnehin knapp sind. Doch nicht nur Tiere leiden.


Es sind auch Menschen, die diese Nacht mit Angst verbringen: ältere Personen, kleine Kinder, Kranke – und Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Für sie klingen die Detonationen nicht nach Feier, sondern nach Bedrohung. Schlaf wird unmöglich, Ruhe zur Ausnahme. Darüber sprechen wir selten, dabei leben sie mitten unter uns.


Und dann kommt oft das Wort, das jede Diskussion beenden soll: „Das ist halt Tradition.“

Aber seit wann ist etwas automatisch richtig, nur weil wir es schon lange so machen?

Traditionen geben Halt – ja. Doch sie dürfen hinterfragt werden, wenn sie Schaden anrichten. Sonst werden sie zur Ausrede. Zur bequemen Erklärung dafür, warum wir nichts ändern wollen.

Noch weniger kann ich verstehen, dass wir das Ganze mit dem Wintertourismus rechtfertigen. „Die Gäste erwarten das.“ Tun sie das wirklich? Oder glauben wir das nur, weil wir uns selbst nie erlaubt haben, Neues zu denken? Viele Gäste kommen wegen der Ruhe, der Natur, der Berge – nicht wegen Explosionen, Feinstaub und Müll.


Wir wissen längst, was Silvesterfeuerwerk verursacht:

Feinstaub in wenigen Stunden, der sonst Monate braucht.

Straßen, Wiesen und Felder voller Müll. Verängstigte Tiere.

Verängstigte Menschen. Verletzte Personen. Einsatzkräfte am Limit.

Das alles ist keine Überraschung – das ist bekannt. Und trotzdem machen wir weiter. Aus Gewohnheit. Aus Bequemlichkeit. Aus „Tradition“. Dabei geht es auch anders.


Es gibt Gemeinden – z. B. in Vorarlberg – die heuer bewusst "Nein" zum Silvesterfeuerwerk sagen. Sie zeigen uns, dass Tradition nicht Stillstand bedeuten muss. Dass man Verantwortung übernehmen kann, ohne die Freude am Feiern zu verlieren. Dass man Vorreiter sein kann, statt immer nur abzuwarten, bis andere den ersten Schritt machen. Warum also immer hinten nach?

Warum nicht einmal mutig vorangehen?


Vielleicht ist es an der Zeit, Tradition neu zu denken. Nicht als starres Festhalten am Alten, sondern als etwas Lebendiges – etwas, das sich weiterentwickeln darf.

Ein Jahreswechsel braucht keinen Knall, um Bedeutung zu haben.

Vielleicht braucht er vor allem eines: Bewusstsein. Und den Mut, es anders zu machen.


Wie stehst du zu Feuerwerk an Silvester? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

 
 
 

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