Der 1. Februar: Ein Datum, an dem Galgos sterben
- 1. Feb.
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Aktualisiert: 5. Feb.

Der Día del Galgo, der 1. Februar, markiert in Spanien offiziell das Ende der Jagdsaison. Für viele Menschen ist es nur ein weiteres Datum im Kalender. Für Tausende von Galgos jedoch ist es der Tag, an dem sich entscheidet, ob sie weiterleben dürfen oder nicht. Mit dem Ende der Jagd verlieren diese Hunde ihren Zweck – und für viele ihrer Besitzer damit auch jeden Wert.
Galgos sind fühlende Lebewesen, sanft, sensibel und zutiefst sozial. Trotzdem werden sie jedes Jahr wie Verbrauchsgegenstände behandelt. Galgos, die als zu langsam gelten, die eine Verletzung davongetragen haben oder schlicht nicht mehr die gewünschte Leistung bringen, werden häufig brutal entsorgt. Sie werden lebendig verbrannt oder mit Säure übergossen. Viele werden weit entfernt von Ortschaften ausgesetzt, oft werden ihnen noch die Knochen gebrochen. Sie werden liegen gelassen mit offenen Wunden oder völlig entkräftet. Ohne Futter, ohne Wasser und ohne Orientierung sterben sie dort langsam an Hunger, Durst oder Verletzungen.
Andere wiederum werden an Bäumen oder Mauern aufgehängt – eine Praxis, die zynisch als „Klavierspiel“ bezeichnet wird. Dabei werden die Hunde so fixiert, dass ihre Hinterpfoten noch den Boden berühren. Sie ersticken nicht sofort, sondern kämpfen oft minuten- oder sogar stundenlang um Luft. Diese Methode gilt in manchen Kreisen als „ehrenvoll“, weil der Hund langsam stirbt. Auch Erschlagen mit Stöcken, Ertränken in Brunnen, Vergiften oder lebendiges Zurücklassen in verschlossenen Gebäuden sind dokumentierte Realitäten.
Doch auch Galgos, die als gute und schnelle Jäger gelten, leben meist kein besseres Leben. Sie werden oft ihr gesamtes Dasein über an kurzen Ketten gehalten oder in dunklen, feuchten Verschlägen eingesperrt. Bewegung gibt es nur während der Jagd, soziale Kontakte kaum. Verletzungen wie tiefe Schnittwunden, gebrochene Gliedmaßen oder Entzündungen bleiben häufig unbehandelt, solange der Hund noch laufen kann. Schmerz spielt keine Rolle, solange er „funktioniert“. Zuwendung, Nähe oder gar Liebe sind in diesem System nicht vorgesehen.
Auch das sogenannte „Training“ der Galgos ist häufig von Gewalt und Zwang geprägt. Viele Hunde werden nicht aufgebaut, sondern gebrochen. Um sie schneller zu machen, werden sie oft hinter Motorrädern oder Autos hergezogen, über lange Strecken, unabhängig von Hitze, Erschöpfung oder Verletzungen. Zusammenbrechen gilt nicht als Warnsignal, sondern als Schwäche. Wer nicht mehr mithält, wird zurückgelassen. Manche Galgos werden bewusst unterernährt, um sie leichter und schneller zu machen, andere müssen mit schweren Verletzungen weiterlaufen, damit sie „Härte“ entwickeln. Schläge, Tritte und grobe Behandlung sind für viele Teil dieses Trainingsalltags. Ruhephasen, spielerisches Lernen oder Rücksicht auf den körperlichen Zustand existieren kaum. Der Hund hat zu funktionieren, koste es ihn seine Gesundheit oder sein Leben. Dieses Training hinterlässt nicht nur zerstörte Körper, sondern auch tief traumatisierte Seelen, die Geschwindigkeit für immer mit Angst, Schmerz und Todespanik verbinden.
Galgos gehören zu den feinfühligsten Hunderassen überhaupt. Sie reagieren extrem sensibel auf Gewalt, Lautstärke und Isolation. Viele gebrochene Galgos zeigen nach ihrer Rettung panische Angst vor Menschen, vor erhobenen Händen, vor Besen oder Stöcken, vor schnellen Bewegungen oder geschlossenen Räumen. Diese Angst ist kein Charakterzug – sie ist das direkte Ergebnis jahrelanger Misshandlung, Vernachlässigung und psychischer Gewalt. Und trotzdem bewahren viele von ihnen eine unglaubliche Sanftheit und eine tiefe Sehnsucht nach Nähe.
Was diese Situation zusätzlich erschütternd macht, ist ein rechtlicher Widerspruch. Spanien verfügt über ein modernes und grundsätzlich gutes Tierschutzgesetz. Misshandlung, Vernachlässigung und grausame Haltung von Haustieren sind darin klar geregelt. Jagdhunde jedoch – und damit auch Galgos – sind von wesentlichen Teilen dieses Gesetzes ausgenommen. Für sie gelten viele Schutzmechanismen nicht. Was bei anderen Hunden strafbar wäre, bleibt bei Jagdhunden oft folgenlos. Grausamkeit wird toleriert, bagatellisiert oder als Tradition gerechtfertigt. Ein Gesetz, das schützt – aber nicht alle. Und eine Ausnahme, die jedes Jahr tausendfaches Leid ermöglicht.
Der Día del Galgo darf deshalb kein stiller Gedenktag sein. Er muss unbequem sein. Laut. Ehrlich. Wegsehen bedeutet, dieses System weiter zu akzeptieren. Es geht nicht darum, Menschen pauschal zu verurteilen, sondern Verantwortung einzufordern und sichtbar zu machen, was sonst im Verborgenen geschieht.
Gleichzeitig gibt es Hoffnung. Tierschützerinnen und Tierschützer retten jedes Jahr unzählige Galgos aus genau diesen Verhältnissen. Sie versorgen gebrochene Körper, heilen traumatisierte Seelen und zeigen, wie viel Liebe in diesen Hunden steckt. Jeder gerettete Galgo ist ein Beweis dafür, dass Veränderung möglich ist – und dass diese Hunde nichts weiter wollen als Sicherheit, Ruhe und ein Leben ohne Angst.
Am Día del Galgo gedenken wir all jener, die niemand geschützt hat. Und wir schulden denen, die noch leben, dass wir nicht schweigen, nicht wegsehen und nicht aufhören, darüber zu sprechen.






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