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Ich hole mir keinen ‚Ups‘-Welpen – und du solltest es auch nicht tun

  • 11. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Als Hundetrainerin begegne ich immer wieder Hunden, deren Start ins Leben alles andere als fair war. Sehr häufig fällt dabei ein Begriff, der zunächst harmlos klingt, aber große Probleme mit sich bringt: der sogenannte „Ups“-Wurf. „Das ist halt einfach passiert“ – diesen Satz höre ich oft. Gemeint sind Würfe, die ungeplant entstanden sind, ohne Vorbereitung, ohne Wissen und leider auch ohne Verantwortungsbewusstsein. Was viele dabei übersehen: Die Leidtragenden sind fast immer die Hunde.


Verantwortung beginnt vor der Geburt

Seriöse Zucht bedeutet weit mehr als zwei Hunde miteinander zu verpaaren. Gesundheitliche Untersuchungen, genetische Tests, die Auswahl passender Elterntiere – all das kostet Zeit, Geld und Fachwissen. Bei „Ups“-Würfen fehlt genau das.

Ich sehe immer wieder Hunde, deren Eltern nie auf Erbkrankheiten untersucht wurden. Hüftprobleme, Augenkrankheiten, Nervosität oder extreme Ängste sind keine Seltenheit. Vieles davon hätte man zumindest reduzieren können, wenn Verantwortung übernommen worden wäre.


Fehlende Sozialisierung prägt ein Leben lang

Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt ist die frühe Prägung. Die ersten Lebenswochen eines Welpen sind entscheidend. In dieser Zeit lernen sie, was „normal“ ist: Geräusche, Menschen, andere Tiere, Umweltreize. Viele „Ups“-Würfe wachsen jedoch im Stall, in der Garage oder abgelegen im Garten auf. Kaum Besuch, kaum Umweltreize, wenig menschlicher Kontakt. Diese Welpen lernen nichts kennen – und genau das wird ihnen später zum Verhängnis.

Als Trainerin arbeite ich dann mit erwachsenen Hunden, die Angst vor Alltagsgeräuschen haben, keine Leine akzeptieren, Panik vor fremden Menschen zeigen oder mit Artgenossen überfordert sind. Diese Probleme entstehen nicht „einfach so“.


Was als niedlicher Welpe noch „ein bisschen schüchtern“ wirkt, kann sich zu massiven Verhaltensproblemen entwickeln. Die neuen Halter:innen sind oft überfordert, fühlen sich schuldig oder hilflos. Nicht selten landen diese Hunde irgendwann im Tierheim.

Das Tragische daran: Der Hund kann nichts dafür.


Aufklärung statt Verharmlosung

Aber wir müssen aufhören, „Ups“-Würfe zu verharmlosen. Und ja: Solche Würfe gibt es auch bei uns – nicht irgendwo weit weg, sondern mitten in unserer Region - auch bei mir im Ort. Jährlich werden Hunde unter genau diesen Umständen geboren und verkauft.

Wenn man dann sieht, wie manche dieser Menschen mit ihren Hunden umgehen, ist das einfach nur erschütternd. Die Tiere sind Mittel zum Zweck. Es geht nicht um Fürsorge, Bindung oder Verantwortung – es geht ums Geld.

Als Hundetrainerin verstehe ich meine Arbeit auch als Teil von gelebtem Tierschutz. Dazu gehört für mich Aufklärung – und eine klare Haltung. Ich werde solche Würfe weder weiterempfehlen noch selbst einen Hund aus solchen Verhältnissen erwerben.

Nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber diesen Hunden, sondern aus Verantwortung. Denn jede Nachfrage hält dieses System am Leben und sorgt dafür, dass es immer weitergeht.

Denn je größer die Nachfrage, desto mehr Würfe gibt es. Und desto mehr Hunde leiden darunter.

Was viele nicht wissen oder nicht wissen wollen: Jungtiere werden teilweise getötet, wenn sie nicht verkauft werden konnten. Auch das ist Realität. Eine Realität, über die kaum gesprochen wird, die aber untrennbar mit verantwortungsloser Vermehrung verbunden ist.

Jeder Wurf bedeutet Verantwortung – für die Mutterhündin, für die Welpen und für die Familien, die diese Hunde später aufnehmen. „Ups“ sollte kein Schicksal sein – sondern ein Anlass, genauer hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen.


Woran erkennt man seriöse Züchter:innen und verantwortungsvollen Tierschutz?

Wer einen Hund aufnehmen möchte, sollte genau hinschauen – unabhängig davon, ob aus Zucht oder aus dem Tierschutz. In beiden Bereichen gibt es engagierte, verantwortungsvolle Menschen, aber leider auch schwarze Schafe.

Seriöse Züchter:innen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass die Elterntiere gesundheitlich untersucht sind und entsprechende Nachweise transparent vorgelegt werden. Die Welpen wachsen im Wohnumfeld auf, lernen Alltagsreize kennen und werden nicht isoliert gehalten. Verantwortungsvolle Züchter:innen stellen Fragen, interessieren sich für das zukünftige Zuhause und geben ihre Hunde nicht wahllos oder „sofort verfügbar“ ab.

Verantwortungsvoller Tierschutz zeigt sich durch Transparenz und Ehrlichkeit. Herkunft, Gesundheitszustand und mögliche Herausforderungen eines Hundes werden offen angesprochen. Vermittlungen erfolgen nicht unter Zeitdruck oder emotionalem Druck, und eine Nachbetreuung ist selbstverständlich.


Gleichzeitig muss klar gesagt werden: Auch im Tierschutz gibt es problematische Strukturen. Hunde werden teilweise unzureichend vorbereitet vermittelt, Informationen werden beschönigt oder wichtige Aspekte verschwiegen. Echter Tierschutz bedeutet nicht, Hunde um jeden Preis zu vermitteln, sondern ihnen langfristig ein stabiles, passendes Zuhause zu ermöglichen.

In einem weiteren Artikel werde ich ausführlicher darauf eingehen, woran man seriöse Züchter:innen und verantwortungsvoll arbeitende Tierschutzorganisationen erkennt – und wo es sich lohnt, besonders genau hinzusehen.

 
 
 

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