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Verwandt ist man – Familie entsteht

  • 1. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Man hört oft den Satz: „Aber das ist doch deine Familie.“ Meist fällt er, wenn jemand von schwierigen Beziehungen zu Eltern, Geschwistern oder anderen Verwandten erzählt. Als würde die Tatsache, dass man miteinander verwandt ist, automatisch bedeuten, dass Nähe, Verständnis und Zusammenhalt selbstverständlich sind.

Doch so einfach ist es nicht. Verwandtschaft ist zunächst einmal nur Biologie.
Man teilt Gene, man wurde in dieselbe Familie hineingeboren. Ohne Entscheidung, ohne Auswahl, ohne Einfluss. Es ist ein Zufall des Lebens.
Natürlich kann aus dieser biologischen Verbindung etwas Wunderbares entstehen. Für viele Menschen ist ihre Herkunftsfamilie ein sicherer Ort. Ein Ort, an dem sie Unterstützung finden, Verständnis und Rückhalt. Doch für andere ist das nicht so. Und genau darüber wird selten gesprochen, weil in unserer Gesellschaft immer noch die Vorstellung stark ist, dass Familie automatisch etwas Positives sein muss – einfach weil man miteinander verwandt ist.

Dabei entsteht Familie eigentlich erst durch Beziehung. Durch Vertrauen, durch Respekt, durch Menschen, die einander zuhören und füreinander da sind. Durch gemeinsame Erfahrungen und durch das Gefühl, sich nicht verstellen zu müssen. Das sind Dinge, die wachsen. Sie entstehen durch Verhalten, durch Zeit und durch echte Verbindung.

Wenn man darüber nachdenkt, sieht man dieses Prinzip auch bei Hunden sehr deutlich. Viele Menschen glauben, dass Hunde automatisch eine enge Beziehung zu ihren Haltern haben, nur weil sie zusammenleben. Aber jeder, der sich intensiver mit Hunden beschäftigt, weiß: Bindung entsteht nicht einfach durch Besitz oder Nähe. Sie entsteht durch Vertrauen, durch Verlässlichkeit und durch gemeinsame Erfahrungen. Ein Hund vertraut einem Menschen nicht automatisch, nur weil dieser ihn füttert oder mit ihm unter einem Dach lebt. Vertrauen entsteht, wenn der Mensch verlässlich ist, wenn er den Hund versteht und wenn der Hund sich bei ihm sicher fühlen kann.

Im Grunde ist es bei uns Menschen nicht anders. Auch hier entsteht Nähe nicht allein durch Verwandtschaft. Sie entsteht durch das, was wir miteinander erleben und wie wir miteinander umgehen. Deshalb gibt es Menschen, die sich ihren Freunden näher fühlen als ihren eigenen Verwandten. Und es gibt Hunde, die zu echten Familienmitgliedern werden, obwohl sie genetisch natürlich überhaupt nichts mit uns zu tun haben.

Vielleicht zeigt genau das, was Familie wirklich bedeutet. Nicht die gemeinsame Herkunft ist entscheidend, sondern die Verbindung, die entsteht. Die Menschen – und manchmal auch die Tiere – bei denen man sich sicher fühlt, bei denen man man selbst sein kann und bei denen man weiß: Wenn es schwierig wird, stehen sie neben einem.

Verwandt ist man. Familie entsteht. Und manchmal entsteht sie genau dort, wo man sie am Anfang gar nicht erwartet hätte. 🐾
 
 
 

2 Kommentare


Christine
01. Apr.

Das ist sehr reflektiert und wahrhaftig geschrieben. Verwandtschaft ist weder per se eine Entschuldigung noch ein Grund zum Schweigen. Dieser Fehlgedanke vertuscht viel Schlechtes, ewig Unausgesprochenes in der Familie. Danke für diesen Blog.

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Caro
02. Apr.
Antwort an

Liebe Christine, es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat. Danke für dein tolles Kommentar. Lg 🥰

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