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Warum ich manchem Hund den Tod wünsche.

  • 2. Aug.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Aug.


Es fühlt sich falsch an, diesen Satz auszusprechen. Und vielleicht macht er dich wütend. Vielleicht stößt er dich ab. Das verstehe ich. Denn natürlich wünsche ich keinem Hund den Tod, weil ich sein Leben für wertlos halte. Ganz im Gegenteil. Ich wünsche ihn manchen Hunden, weil ich sehe, wie wertvoll ihr Leben sein könnte – und wie grausam wir Menschen es ihnen nehmen.

Es gibt Hunde, deren Alltag aus Angst besteht. Hunde, die geschlagen werden, bis sie zusammenzucken, wenn sich nur eine Hand hebt. Hunde, die tage-, wochen- oder jahrelang eingesperrt sind, ohne Ansprache, ohne Beschäftigung, ohne die Möglichkeit, auch nur ein bisschen Hund sein zu dürfen. Hunde, die im eigenen Kot leben, die hungern, frieren oder unter unerträglicher Hitze leiden. Hunde, deren Körper voller Schmerzen ist und deren Seele längst gelernt hat, dass Schreien nichts verändert.

Manche tragen tiefe Wunden auf der Haut. Andere tragen sie dort, wo niemand hinsieht.
Sie lernen, dass Menschen Angst bedeuten. Dass Berührungen wehtun. Dass sie keine Kontrolle über ihr Leben haben. Sie werden getreten, angeschrien, missbraucht, vernachlässigt oder einfach vergessen. Manche werden wie Gegenstände gehalten, bis sie nicht mehr gebraucht werden. Andere werden ausgesetzt, entsorgt wie Müll, weil sie unbequem geworden sind.
Und trotzdem leben sie weiter.

Nicht, weil sie glücklich sind. Nicht, weil sie ihr Leben lieben. Sondern weil jedes Lebewesen den Drang hat zu überleben. Hunde treffen nicht die bewusste Entscheidung, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie machen einfach weiter. Einen Atemzug nach dem anderen. Einen Tag nach dem nächsten. Selbst wenn jeder einzelne Tag nur aus Leid besteht.
Genau das macht ihr Schicksal so unerträglich.

Denn sie können sich nicht selbst aus dieser Hölle befreien. Sie können keine Anzeige erstatten. Sie können nicht weglaufen, wenn Türen verschlossen oder Zäune zu hoch sind. Sie können niemandem erzählen, was ihnen angetan wird. Sie sind vollständig abhängig von den Menschen – ausgerechnet von denen, die ihnen das Leid zufügen oder wegsehen.
Und manchmal sehe ich einen solchen Hund und denke einen Gedanken, den ich nie gedacht hätte, bevor ich all das gesehen habe.

Vielleicht wäre der Tod gnädiger.

Nicht, weil Sterben etwas Gutes ist. Nicht, weil ich auf Leben verzichten möchte. Sondern weil kein Lebewesen dazu verdammt sein sollte, jahrelang in Angst, Schmerzen und Hoffnungslosigkeit zu existieren. Weil Erlösung manchmal menschlicher erscheint als ein weiteres Jahr voller Misshandlung.

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass dieser Gedanke entstehen kann.
Der eigentliche Skandal ist, dass Menschen Hunde in Zustände bringen, in denen man sich ernsthaft fragt, ob das überhaupt noch ein Leben ist.

Ich wünsche keinem Hund den Tod.

Ich wünsche jedem Hund Sicherheit. Geborgenheit. Freiheit. Respekt. Die Möglichkeit, Vertrauen zu lernen und einfach Hund sein zu dürfen.
Aber solange es Hunde gibt, deren gesamtes Leben aus menschlich verursachtem Leid besteht, werde ich niemals diejenigen verurteilen, die in ihrem Herzen denken: Jetzt darfst du endlich gehen. Jetzt musst du nicht mehr leiden.

Denn was ich mir wirklich wünsche, ist eine Welt, in der kein Hund jemals so leiden muss, dass der Tod wie die einzige verbleibende Gnade erscheint.
 
 
 

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