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Was wir nicht sehen wollen – und warum genau dort Veränderung beginnt
18. März
3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. März
Warum Veganismus und bedürfnisorientiertes Hundetraining mehr gemeinsam haben, als viele denken
Auf den ersten Blick haben Veganismus und modernes, belohnungs- und bedürfnisorientiertes Hundetraining wenig miteinander zu tun. Hier Ernährung, dort Erziehung. Und doch stoßen beide Bewegungen auf erstaunlich ähnliche Reaktionen: Skepsis, Abwehr, Spott – und nicht selten offene Ablehnung.
Warum ist das so?
Die unbequeme Wahrheit ist: Beide Ansätze stellen etwas infrage, das tief in unserer Gesellschaft verankert ist. Die meisten Menschen wissen, dass Massentierhaltung existiert. Die Bilder sind bekannt, die Diskussionen werden regelmäßig geführt. Und dennoch bleibt der Großteil des Konsums unverändert.
Oft kommt dann das Argument: „Ich kaufe ja beim Bauern nebenan.“ Doch auch dort werden Kälber von ihren Müttern getrennt. Auch dort erleben Tiere Stress, Angst und letztlich den Tod.
Die Realität ist: Die meisten vermeiden es bewusst, sich diese Bilder anzusehen. Denn sobald Tiere Todesangst oder Schmerzen zeigen – egal ob Kühe, Schweine, Hühner oder Hunde – wird es real. Und es wird schwer, wegzuschauen und gleichzeitig weiterzumachen wie bisher. Also schauen wir oft gar nicht erst hin.
Wir sehen das fertige Produkt:
das Fleisch in der Theke, die Bratwurst auf dem Teller.
Genauso im Hundetraining: Wir sehen den Hund, der „funktioniert“, der brav neben seinem Menschen läuft. Was wir oft nicht sehen wollen, ist der Weg dorthin.
Viele Hundehalter:innen wissen, dass aversive Methoden – also Training über Angst, Schmerz oder Einschüchterung – eingesetzt werden. Hunde die Meideverhalten zeigen, ein kurzer Ruck an der Leine, ein scharfes "Nein" - das ist keine Seltenheit. Und trotzdem: Veränderung fällt schwer.
Und in beiden Thematiken fällt immer wieder dieser Satz: „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“ Doch oft wird dabei übersehen, dass „früher“ nicht mit heute vergleichbar ist.
Früher fehlte uns schlicht das Wissen über die Bedürfnisse von Tieren – sowohl in der Haltung als auch im Umgang und Training.
Beide Themen sind mehr als nur eine Entscheidung im Alltag. Sie betreffen Gewohnheiten, Überzeugungen und nicht zuletzt auch das eigene Selbstbild.
Wer beginnt, sich vegan zu ernähren, setzt sich automatisch mit Fragen auseinander wie: Was bedeutet mein Konsum für andere Lebewesen? War mein bisheriges Verhalten vielleicht nicht so „harmlos“, wie ich dachte?
Wer ins bedürfnisorientierte Hundetraining einsteigt, stellt sich ähnliche Fragen: Wie fair war mein Umgang mit meinem Hund bisher wirklich? Habe ich Verhalten vielleicht abgestraft oder unterdrückt, statt es zu verstehen?
Diese Fragen sind unbequem. Und genau deshalb werden sie oft abgewehrt.
Stattdessen werden die Bewegungen selbst kritisiert :„Das ist doch übertrieben.“ „Das funktioniert doch nicht. “„Das ist unrealistisch.“
Doch hinter dieser Kritik steckt häufig weniger eine sachliche Auseinandersetzung – und mehr der Versuch, die eigene Komfortzone zu schützen.
Denn Veränderung bedeutet nicht nur, Neues zu lernen. Sie bedeutet auch, Altes loszulassen. Und das ist selten einfach.
Weder im Umgang mit Tieren noch im Umgang mit uns selbst.
Sowohl Veganismus als auch bedürfnisorientiertes Training sind keine perfekten Systeme. Sie sind Prozesse. Entwicklungen. Wege, die Menschen gehen, weil sie versuchen, bewusster und verantwortungsvoller zu handeln.
Und genau darin liegt ihre Stärke.
Nicht darin, dass sie alles „richtig“ machen. Sondern darin, dass sie überhaupt anfangen, Fragen zu stellen.
Wir haben hingeschaut. Auch wenn es unbequem ist.
Und genau deshalb wollen wir etwas verändern.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, sofort alles zu verändern.
Sondern darum, offen zu bleiben.
Für neue Perspektiven. Für mehr Mitgefühl. Und für die Möglichkeit, dass es auch anders gehen könnte.
Wir gehen diesen Weg nicht, weil er leicht ist – sondern weil wir gesehen haben, warum er notwendig ist.
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