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Wie absurd ist unser Tierschutzgesetz eigentlich?

  • 27. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Apr.


Gewalt wird nicht nur bei Tieren viel zu oft übersehen oder verharmlost – sondern genauso bei Menschen. Ob bei Frauen, bei Kindern oder in anderen abhängigen Situationen: Gewalt beginnt selten laut und offensichtlich. Sie beginnt leise. Mit Überforderung, mit Abwertung, mit Kontrolle, mit Ignorieren von Grenzen. Und auch hier wird viel zu lange weggesehen, relativiert, erklärt. „So schlimm ist es doch nicht.“ „Das war nicht so gemeint.“ „Der hat gerade eine schwere Zeit.“ Die Muster sind dieselben. Und solange wir Gewalt erst dann ernst nehmen, wenn sie eskaliert, akzeptieren wir all das, was davor passiert – bei Tieren genauso wie bei Menschen. Genau deshalb ist es so gefährlich, sie weiterhin kleinzureden.

Man kann Tiere verhungern lassen, sie verdursten lassen, sie schlagen, sie über Jahre hinweg unter Bedingungen halten, die man keinem Lebewesen zumuten würde – und am Ende steht viel zu oft nicht mehr als ein Achselzucken im System.

Da werden Ziegen und Schafe in einem Stall sich selbst überlassen. Kein Wasser. Kein Futter. Sie sterben langsam. Still. Genau so, dass es niemand hören muss, der nicht hinhören will.
Hunde werden geschlagen. Immer wieder. Für Verhalten, das Menschen nicht verstehen wollen. Für Stress, den sie selbst verursachen.
Kühe stehen bis zu den Knien in ihren eigenen Exkrementen. Tag für Tag. Leben in Zuständen, die nichts mehr mit Würde zu tun haben.
Und das alles passiert hier.

Man meldet es. Man schaut nicht weg. Man macht genau das, was man tun soll.
Und dann?
Dann kündigt sich die Kontrolle an.
Amtstierärzte kommen nicht überraschend, sondern mit Vorlauf. Genug Zeit, um aufzuräumen. Genug Zeit, um zu verstecken. Genug Zeit, um aus katastrophalen Zuständen kurzfristig ein halbwegs vorzeigbares Bild zu machen. Was genau soll so eigentlich kontrolliert werden?
Die Realität ganz sicher nicht.

Und selbst wenn Missstände bekannt sind, selbst wenn Hinweise vorliegen, selbst wenn Menschen den Mut haben, etwas zu melden – dann gibt es noch ein anderes Problem, über das kaum jemand offen spricht:
Freunderlwirtschaft.
„Man kennt ihn ja.“ „So schlimm wird es schon nicht sein.“ „Der hat halt gerade eine schwierige Phase.“

Nähe ersetzt plötzlich Objektivität. Beziehungen wiegen mehr als Verantwortung. Und am Ende profitieren genau die davon, die eigentlich kontrolliert werden müssten.
Man kann doch nicht. Doch. Offensichtlich kann man.

Und während man sich kennt, Verständnis zeigt, ein Auge zudrückt oder Dinge „nicht so eng sieht“, zahlen andere den Preis.
Die Tiere.

Und dann, wenn es doch einmal zu einem Verfahren kommt, kommt der nächste Schlag ins Gesicht: „Diversion.“ „Ich war überfordert.“

Ich habe die Schnauze gestrichen voll davon.
Überforderung ist keine Rechtfertigung für Leid. Nicht für Hunger. Nicht für Durst. Nicht für Gewalt. Nicht für jahrelanges Wegsehen. Und trotzdem wird genau das immer wieder als Erklärung akzeptiert.

Ein System, das so funktioniert, schützt nicht.
Es verwaltet. Es relativiert. Es schaut weg, wo es hinschauen müsste.
Und es lässt genau die im Stich, die am dringendsten Schutz brauchen.
Das ist kein Ausrutscher. Das ist kein Einzelfall.
Das ist ein strukturelles Problem.
Und genau deshalb braucht es Veränderungen.

Unangekündigte Kontrollen, die tatsächlich zeigen, wie Tiere leben – nicht, wie es kurz davor aussehen kann. Klare, spürbare Konsequenzen für diejenigen, die Verantwortung übernehmen und sie missbrauchen. Weniger Verständnis für Ausreden und mehr Fokus auf das, was passiert ist: Leid.

Und es braucht euch - Menschen, die nicht aufhören hinzusehen.
Menschen, die melden. Immer wieder. Auch wenn es frustrierend ist. Auch wenn das Gefühl entsteht, dass „eh nichts passiert“. Doch. Es passiert etwas.
Jede Meldung setzt ein Zeichen. Jede Anzeige baut Druck auf. Jede dokumentierte Beobachtung macht es schwerer, wegzusehen und nichts zu tun.
Veränderung entsteht nicht, weil ein System plötzlich von selbst besser wird.
Sie entsteht, weil Menschen unbequem bleiben.
Weil sie nicht müde werden.
Weil sie nicht akzeptieren, dass das hier der Standard ist.
Und genau das ist der Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen:
Weiter hinnehmen – oder dranbleiben.
Für die, die keine Stimme haben.
 
 
 

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