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Manchmal braucht man die Stille der Tiere, um sich von den Menschen zu erholen
5. Sept.
4 Min. Lesezeit
„Manchmal braucht man die Stille der Tiere, um sich von den Menschen zu erholen.“
Es gibt Tage, an denen dieser Satz für mich mehr Wahrheit enthält als viele lange Erklärungen. Tage, an denen ich merke, wie müde ich eigentlich bin. Nicht unbedingt körperlich. Sondern müde von den vielen Stimmen, den Erwartungen, den Meinungen und dem ständigen Gefühl, irgendwie reagieren zu müssen.
Menschen können unglaublich laut sein. Selbst dann, wenn sie gar nicht persönlich vor uns stehen.
Und dann ist da das Internet.
Es bringt uns die ganze Welt direkt ins Wohnzimmer. Eigentlich ist das etwas Unglaubliches. Wir erfahren innerhalb weniger Minuten, was irgendwo auf der anderen Seite der Welt passiert. Wir sehen Bilder von Kriegen, Katastrophen, Gewalt, politischen Konflikten, Naturereignissen und Menschen, denen es schlecht geht. Eine Schlagzeile folgt auf die nächste. Ein Drama löst das nächste ab.
Und natürlich ist es wichtig, nicht wegzuschauen. Es ist wichtig, sich zu informieren und Anteil zu nehmen. Aber ich glaube, dass wir manchmal unterschätzen, was es mit uns macht, wenn wir all das jeden Tag ungefiltert aufnehmen.
Unser Kopf unterscheidet nicht immer danach, ob etwas gerade direkt vor unserer Haustür passiert oder tausende Kilometer entfernt. Wir sehen Bilder, lesen Worte und nehmen die Stimmung auf. Und dann gehen wir mit all dem im Kopf durch unseren ganz normalen Alltag.
Wir trinken unseren Kaffee, gehen mit dem Hund spazieren, arbeiten, führen Gespräche – und irgendwo im Hinterkopf ist noch diese Nachricht von heute Morgen. Dieser Krieg. Dieses Unglück. Diese Katastrophe. Dieses Bild, das man eigentlich gar nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Eine Schlagzeile nach der anderen. Und irgendwann fühlt sich die ganze Welt nur noch schwer an. Vielleicht ist es genau das, was uns so müde macht. Nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die schiere Menge an Dingen, mit denen wir täglich konfrontiert werden. Früher musste man vielleicht bewusst eine Zeitung aufschlagen oder die Nachrichten einschalten. Heute reicht ein Griff zum Handy. Und schon ist die ganze Welt da.
Wir können kaum noch einfach irgendwo sein, ohne dass uns die Welt erreicht.
Selbst in einem ruhigen Moment taucht plötzlich wieder etwas auf. Eine neue Schlagzeile. Ein neues Bild. Eine neue Krise. Irgendwo wird gestritten. Irgendwo leiden Menschen. Irgendwo brennt es.
Und natürlich dürfen wir das nicht einfach ausblenden. Aber vielleicht dürfen wir uns trotzdem erlauben, nicht alles jederzeit aufzunehmen.
Denn auch Mitgefühl braucht Kraft.
Und vielleicht kann man nicht unendlich viel Leid sehen, ohne dass es Spuren hinterlässt.
Dazu kommen all die Meinungen, Diskussionen und Bewertungen, die das Internet mit sich bringt. Kaum ein Thema, zu dem es nicht unzählige unterschiedliche Ansichten gibt. Austausch kann wichtig sein. Diskussionen können wertvoll sein. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir vergessen, wie anstrengend es sein kann, ständig mitten in all diesen Stimmen zu stehen.
Manchmal wird aus einem Austausch ein Kampf darum, wer recht hat. Aus einer Meinung wird eine Bewertung. Aus einer Frage wird ein Angriff. Und plötzlich hat man das Gefühl, sich ständig verteidigen oder erklären zu müssen.
Und irgendwann kommt dieser Punkt, an dem ich einfach keine Worte mehr habe.
Dann möchte ich nicht noch einmal erklären. Nicht noch einmal diskutieren. Nicht noch einmal versuchen, von jemandem verstanden zu werden, der vielleicht gar nicht verstehen möchte.
Dann möchte ich einfach raus.
Raus aus dem Lärm. Raus aus den Schlagzeilen. Raus aus diesem Gefühl, dass die ganze Welt gleichzeitig etwas von mir möchte. Und dann gehe ich zu den Tieren.
Oder vielleicht gehe ich mit ihnen einfach hinaus.
Dorthin, wo es plötzlich wieder ruhiger wird.
Wo niemand wissen möchte, was ich heute geleistet habe. Wo niemand fragt, warum ich gerade keine Meinung habe. Wo niemand erwartet, dass ich zu allem etwas sage.
Ein Hund möchte nicht, dass ich perfekt bin.
Er möchte nicht wissen, was heute irgendwo auf der Welt passiert ist. Er interessiert sich nicht dafür, welche Diskussion gerade im Internet geführt wird oder welche Meinung gerade besonders laut vertreten wird.
Er ist einfach da.
Und manchmal ist genau das alles, was ich brauche.
Natürlich ist das Leben mit Tieren nicht immer still und friedlich. Tiere haben Bedürfnisse, sie kommunizieren, sie brauchen unsere Aufmerksamkeit und unsere Verantwortung. Gerade deshalb ist es so wichtig, genau hinzusehen und ihnen zuzuhören. Aber ihre Welt fühlt sich oft ehrlicher an.
Ein Hund sagt uns auf seine Weise, was er braucht. Er lebt nicht für die Meinung anderer.
Er vergleicht sich nicht ständig.
Er überlegt nicht, ob er für andere Menschen interessant genug ist.
Er schnüffelt, wenn es etwas zu schnüffeln gibt. Er ruht, wenn er müde ist. Er genießt die Sonne, einen vertrauten Ort oder einen spannenden Geruch.
Und manchmal erinnert er mich daran, dass auch ich nicht immer funktionieren muss.
Dass ich nicht jede Diskussion führen muss. Dass ich nicht zu allem etwas sagen muss.
Dass ich nicht alles wissen muss. Und dass ich auch nicht jede Schlagzeile lesen muss.
Vielleicht ist das auch etwas, das wir uns viel öfter erlauben sollten. Eine Pause zu machen, bevor wir völlig ausgebrannt sind. Nicht erst dann, wenn wirklich gar nichts mehr geht. Sondern vielleicht schon vorher.
Das Handy einmal wegzulegen. Nicht noch einmal in die Nachrichten zu schauen.
Eine Diskussion einfach Diskussion sein zu lassen, ohne das letzte Wort haben zu müssen.
Nicht jedes Leid dieser Welt in diesem Moment aufnehmen zu müssen.
Einfach rauszugehen.
Manchmal ist Selbstfürsorge nicht besonders spektakulär. Sie besteht nicht immer aus großen Veränderungen oder perfekten Ritualen. Manchmal bedeutet sie einfach, mit dem Hund spazieren zu gehen und das Handy zu Hause zu lassen. Den Geräuschen der Natur zuzuhören.
Die eigenen Gedanken langsam leiser werden zu lassen.
Dem Hund dabei zuzusehen, wie er stehen bleibt, schnüffelt und die Welt auf seine eigene Weise wahrnimmt.
„Manchmal braucht man die Stille der Tiere, um sich von den Menschen zu erholen.“
Vielleicht bedeutet dieser Satz letztendlich einfach, dass wir uns selbst nicht vergessen dürfen.
Dass wir uns Pausen erlauben dürfen.
Dass Rückzug nicht immer Flucht bedeutet.
Dass es okay ist, die Nachrichten einmal nicht zu lesen.
Dass es okay ist, das Internet auszuschalten.
Und dass es manchmal vollkommen reicht, für eine Weile einfach nur da zu sein.
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